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Jurgrad gGmbH Münster - Steuerwissenschaften, Steuerrecht

Stimmen zum Studiengang

Interview mit Prof. Dr. Dieter Birk und Prof. Dr. Ingo Saenger

Zu den Personen


Prof. Dr. Dieter Birk / Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Seit 1982 Direktor des Instituts für Steuerrecht an der Universität Münster; 1985 - 1997 Richter am Finanzgericht Münster im Nebenamt; seit 1998 Steuerberater und of counsel in der Sozietät P+P Pöllath + Partners; 1993/1994 Dekan der juristischen Fakultät der Universität Münster; Forschungsschwerpunkte: Haushaltsrecht, bundesstaatlicher und kommunaler Finanzausgleich, Steuerverfahrensrecht, Einkommensteuerrecht, Internationales Steuerrecht, europäisches Steuer- und Abgabenrecht; Forschungsaufenthalte: USA, Großbritannien, Frankreich und Japan.


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Prof. Dr. Ingo Saenger / Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Seit 1997 Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Gesellschaftsrecht sowie Direktor des Instituts für Internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Münster; 1999 - 2006 Richter im Nebenamt am OLG Hamm; Forschungsschwerpunkte: Deutsches und Europäisches Gesellschafts- und Unternehmensrecht, Stiftungsrecht, Internationales Kaufrecht, Handelsrecht, Zivilprozessrecht; Forschungsaufenthalte: Frankreich, USA, Japan, Australien.

Herr Professor Birk, Herr Professor Saenger, in diesem Jahr feierte die JurGrad gGmbH ihr fünfjähriges Bestehen. Sie ist im Jahr 2002 unter Ihrer gemeinsamen Federführung gegründet worden. Wie kamen Sie auf die Idee, für das Fortbildungsangebot der Rechtswissenschaftlichen Fakultät eine Trägerschaft in der jetzigen Form zu wählen? Welche Vorteile bietet die derzeitige Konstruktion?

Prof. Dr. Birk: Die Idee, ein Fortbildungsangebot in professioneller Form zu betreiben, kam, als wir versucht haben, mit Fakultätsmitteln einen Ergänzungsstudiengang zu Steuerwissenschaften aufzubauen. Hier gelangten wir schnell an Grenzen, die uns zeigten, dass wir ohne professionelle Infrastruktur und Organisation kein attraktives Weiterbildungsstudium anbieten können. Mit der JurGrad gGmbH - Münster School of Tax and Business Law sind wir in der Lage, ein auf einen bestimmten Interessentenkreis zugeschnittenes eigenständiges Programm zu entwickeln, die besten Dozenten auf diesem Gebiet zu gewinnen, flexibel auf die Bedürfnisse der in der Praxis tätigen Studierenden zu reagieren und unabhängig vom Semesterrhythmus die Lehrveranstaltungen in Blockform anzubieten.

Die Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität, Frau Prof.’in Dr. Nelles, sprach im JurGrad-Newsletter 4/2006 von einem "best practice Charakter" der JurGrad gGmbH. Welche persönliche Bilanz würden Sie nach nunmehr fünf Jahren ziehen?

Prof. Dr. Birk: Die JurGrad gGmbH bietet Weiterbildungsstudiengänge in hoch spezialisierten Bereichen in Kooperation mit erstklassigen Wirtschaftskanzleien und Institutionen an. Die Kurse richten sich deshalb in erster Linie an Juristen und Betriebswirte, die in diesen Spezialgebieten tätig werden wollen. Wir glauben, dieser Gruppe, die in der Regel noch in der Anfangsphase ihrer Berufstätigkeit ist, das Handwerkszeug zu vermitteln, das sie zur "best practice" oder, wie man neuerdings sagt, zur Exzellenz befähigt. Die Teilnehmer der Studiengänge können auf Grund der soliden Zusatzausbildung die hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten, welche die wirtschaftsrechtlichen Spezialgebiete bieten, viel besser nutzen.

Soweit das Studium der Rechtswissenschaften im Zuge des Bologna-Prozesses reformiert wird, ist eine Tendenz erkennbar, die sowohl den Praxisbezug als auch die anwaltliche Tätigkeit stärker betont. Denken Sie, dass durch diese Entwicklung das Bedürfnis nach postgradualer Weiterbildung mittelfristig entfallen wird?

Prof. Dr. Saenger: Die Statistik verzeichnet etwa 140.000 Rechtsanwälte und allein bei den Juristen einen jährlichen Zuwachs von 5.500 Berufsanfängern. Über die Konsequenzen dieser Entwicklung wird nicht erst seit gestern nachgedacht. Ob man der deutschen Juristenausbildung mit den Reformvorschlägen, die unter dem Label "Bologna" verbreitet werden, einen Dienst erweist, wird sich zeigen. Welchen Lauf die Entwicklung auch nehmen wird, eines ist gewiss: Der Stellenwert postgraduierter Weiterbildung wird künftig rasant wachsen! Das gilt ebenso für den Bereich der Ökonomie. Ungeachtet der möglichen Aufspaltung in eine Bachelor- und eine Master-Phase wird es zu einer weiteren Verkürzung der universitären und praktischen Ausbildung kommen. Zugleich werden juristische und wirtschaftliche Beratung immer speziellere Kenntnisse und Erfahrungen erfordern. Dies liegt nicht nur an immer komplexeren Lebenssachverhalten, insbesondere im Bereich unternehmerischen Handelns. Auch die wachsende Zahl der Berufsträger und die Liberalisierung der Rechtsberatung nach Einführung des Rechtsdienstleistungsgesetzes werden zur Folge haben, dass sich der Einzelne auf seine besonderen Kompetenzen konzentrieren muss. Dies belegen schon heute das nahezu unüberschaubare Angebot von Fortbildungsveranstaltungen und ganz besonders der geradezu exponentiale Anstieg von Fachanwaltsbezeichnungen - inzwischen neunzehn! Das ist aber noch lange nicht das Ende der Entwicklung: Wie nicht zuletzt die "Spezialisten"-Entscheidung des BVerfG aus dem Jahre 2004 belegt, gibt es schon heute eine ständig zunehmende Zahl von Berufsträgern, die in einem ganz eng gefassten Segment eine exzellente Beratung zu bieten vermag. Das geht über das System der Fachanwaltschaften noch weit hinaus. Und gerade die Weiterbildung zu solchen Spezialisten haben wir uns in wirtschaftlich bedeutsamen Bereichen zur Aufgabe gemacht.

Eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit besteht aufgrund zahlreicher Verflechtungen zwischen juristischer und wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät der Universität Münster. Sind damit Schnittstellen zu anderen Fachbereichen ausgeschöpft oder können Sie sich weitere fachübergreifende Projekte vorstellen?

Prof. Dr. Birk: Interdisziplinäre Ausbildung hat den Vorteil, dass das für die Praxis notwendige Wissen auf einem breiteren Fundament aufgebaut wird. Da einige unserer Kurse sich an Teilnehmer richten, die in der Wirtschafts- und Steuerberatung tätig sind, liegt es nahe, mit der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zusammen zu arbeiten. Diese Zusammenarbeit hat sich sehr bewährt. Ob sie auf weitere Fakultäten ausgedehnt wird, hängt davon ab, ob und welche weiteren Kurse die JurGrad anbieten wird. Grundsätzlich ist dies nicht ausgeschlossen, wenn es der Optimierung der Studieninhalte dient.

Kommen wir zum Ende des Gesprächs noch auf die beiden Postgraduierten-Studiengänge "Mergers & Acquisitions" und "Steuerwissenschaften", deren akademische Leiter Sie jeweils sind. Wie äußern sich ehemalige Teilnehmer und welche Rückschlüsse ziehen Sie hieraus für die nächsten Jahre?

Prof. Dr. Saenger: Herr Birk hat bereits die Motive erläutert, die uns vor mehr als sechs Jahren bewogen haben, Postgraduierten-Studiengänge einzurichten. Offen gesagt: Zunächst haben manche Kollegen innerhalb und außerhalb der Fakultät unser Vorhaben zwar wohlwollend, aber doch skeptisch begleitet. Die Teilnehmer unserer Studiengänge werden uns nicht von der ZVS zugewiesen, sondern müssen sich ganz bewusst für die Aufnahme eines zudem berufsbegleitenden Studiums entscheiden. Das erfordert nicht zuletzt zeitliche Einschränkungen im beruflichen wie persönlichen Bereich. Dennoch haben bislang alle Studiengänge einen überwältigenden Zuspruch gefunden, der unsere ursprünglichen Erwartungen weit übertroffen hat. Dies dokumentieren auch die Bewerberzahlen. Dabei werden viele Interessenten erst durch Absolventen unserer Studiengänge auf uns aufmerksam. Die Empfehlung ehemaliger Teilnehmer ist aber das höchste Lob, das wir uns wünschen können. Deshalb freuen wir uns über die Zufriedenheit der Alumni, die auch nach Abschluss des Studiums mit uns in Kontakt bleiben. Die Gelegenheiten zum Gespräch sind zahlreich: Viele Absolventen informieren sich über aktuelle Entwicklungen in ihren Spezialgebieten anlässlich unserer Summer Courses und der regelmäßigen M&A-Gespräche. Kontakt halten wir auch über den auf Initiative von Teilnehmern des ersten M&A-Studiengangs gegründeten Alumni-Vereins. Für uns als akademische Leiter ist es besonders erfreulich, am Rande solcher Veranstaltungen zu erfahren, welch positive Entwicklung die Karriere im Anschluss an die Ausbildung genommen hat und welche interessanten Tätigkeitsfelder sich erst aufgrund des erworbenen Spezialwissens eröffnet haben. Gerade aus diesen Gesprächen gewinnen wir viele Anregungen für die ständige Fortentwicklung unserer Programme. Und diese werden wir künftig noch weiter ausbauen. Ideen gibt es reichlich - und das Beste ist: Damit finden wir in der Praxis den erforderlichen Rückhalt, ohne den die Verwirklichung unserer Vorhaben nicht möglich wäre.

Herr Professor Birk, Herr Professor Saenger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Jurgrad gGmbH Münster - juristische Fortbildungen, Jura Weiterbildung
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